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Aortenbasistumor beim Hund: Minimal-invasive Stentimplantation bei Lucky
Lucky kann wieder durchatmen
Ein außergewöhnlicher Fall aus unserer Klinik zeigt, wie moderne interventionelle Kardiologie die Lebensqualität eines Hundes innerhalb kürzester Zeit deutlich verbessern kann.
Lucky, ein zehn Jahre alter Elo mit einem Körpergewicht von 35 Kilogramm, wurde aufgrund eines hochgradigen Aszites – einer massiven Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum – bei uns vorgestellt. Sein stark vergrößerter Bauch schränkte ihn erheblich ein: Lucky konnte sich kaum noch bewegen und seine Atmung war deutlich angestrengt. Ein normales Hundeleben war für ihn nicht mehr möglich.
Verdacht auf einen Stauungsprozess am Herzen
Bei der haustierärztlichen Voruntersuchung entstand der Verdacht, dass eine Erkrankung des Herzens beziehungsweise ein schwerwiegender venöser Stauungsprozess für den Aszites verantwortlich sein könnte. Lucky wurde deshalb umgehend zur weiterführenden kardiologischen Diagnostik an unser Zentrum überwiesen.
Die Ursache seiner Beschwerden konnte schnell festgestellt werden: An der Herzbasis befand sich ein etwa 4,3 Zentimeter großer Aortenbasistumor. Der Tumor ragte in den Bereich des rechten Vorhofs und der großen Hohlvenen hinein und führte zu einer hochgradigen Einengung der Vena cava caudalis, der großen Vene, die das Blut aus der hinteren Körperhälfte zum Herzen transportiert. Durch diese Obstruktion konnte das venöse Blut nicht mehr ungehindert zum Herzen zurückfließen. Der dadurch entstehende Rückstau war die Ursache für die ausgeprägte Flüssigkeitsansammlung in Luckys Bauchraum.
Aortenbasistumoren wachsen häufig sehr langsam
Ein Aortenbasistumor beim Hund ist eine Raumforderung im Bereich der Herzbasis. Diese Tumoren zeigen häufig ein vergleichsweise langsames Wachstum und können über längere Zeit eine biologisch eher gutartige Natur aufweisen. Viele betroffene Hunde können deshalb noch lange mit einem solchen Tumor leben.
Entscheidend für die Beschwerden ist jedoch nicht allein die Größe des Tumors. Auch seine genaue Lage und die Beeinträchtigung angrenzender Strukturen spielen eine wesentliche Rolle. Bei Lucky führte der Tumor vor allem durch den Druck auf die große Hohlvene zu einer lebensbedrohlichen Störung des Blutflusses.
Das Behandlungsziel bestand daher nicht darin, den Aortenbasistumor chirurgisch zu entfernen. Stattdessen sollte die verengte Vene wieder geöffnet, der Blutfluss normalisiert und dadurch der venöse Rückstau reduziert werden.
Transatrialer Stent zur Erweiterung der Vena cava
Um Luckys Lebensqualität zu verbessern und ihm möglichst viel gute Zeit mit seiner Familie zu ermöglichen, entschieden wir uns für eine hoch spezialisierte, minimal-invasive Behandlung: die Implantation eines transatrialen Stents.
Der Stent wurde über einen punktförmigen Gefäßzugang an der Halsvene eingeführt und bis in den betroffenen Bereich vorgeschoben. Dort wurde er präzise positioniert und entfaltet. Der Stent stabilisiert die zuvor stark eingeengte Vena cava von innen und ermöglicht dem Blut, wieder besser zum Herzen zurückzufließen.
Zur exakten Darstellung der Gefäße und zur Kontrolle der Stentposition wurde eine Angiographie durchgeführt. Dafür erfolgten Gefäßzugänge über die Jugularvene am Hals und die Femoralvene im Bereich des Hinterbeins.
Für diese Zugänge waren lediglich kleine Punktionen der Haut erforderlich – vergleichbar mit punktuellen Nadelstichen. Ein chirurgischer Hautschnitt und eine offene Operation waren nicht notwendig. Dadurch entstehen keine großen Wunden oder Narben und die Belastung für den Patienten bleibt sehr gering.
Schnelle Erholung nach dem minimal-invasiven Eingriff
Der Eingriff verlief komplikationslos. Bereits zwölf Stunden nach der Stentimplantation konnte Lucky wieder nach Hause zu seiner Familie gehen. Da keine chirurgischen Schnitte erforderlich waren, hatte er keine Operationswunde und musste keine belastende Wundheilungsphase durchlaufen.
Minimal-invasive Verfahren bieten gerade bei älteren oder bereits geschwächten Patienten wichtige Vorteile:
- Sehr kleine Gefäßzugänge statt einer offenen Operation
- Geringe Belastung für den Organismus
- Keine postoperativen Wundschmerzen
- Keine großen Hautschnitte oder Operationsnarben
- Kurze Überwachungs- und Erholungszeit
- Schnelle Rückkehr in die vertraute häusliche Umgebung
Heute kann Lucky wieder ein weitgehend normales Leben führen und die gemeinsame Zeit mit seiner Familie genießen. Seine Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass selbst bei einer außergewöhnlichen und komplexen Herzerkrankung eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität möglich sein kann.
Ist eine Stentimplantation auch bei kleineren Hunden möglich?
Eine solche minimal-invasive Stentimplantation ist grundsätzlich nicht nur bei großen Hunden möglich. Auch kleinere Patienten können für das Verfahren infrage kommen. Entscheidend sind vor allem die anatomischen Verhältnisse sowie die Lage, Größe und Art des Tumors.
Besonders geeignet kann die Technik bei langsam wachsenden Aortenbasistumoren sein, die in den Bereich des rechten Atriums oder der Hohlvenen hineinragen und dort den Blutfluss behindern. Ob eine Stentimplantation im individuellen Fall möglich und sinnvoll ist, muss anhand einer spezialisierten kardiologischen Diagnostik und einer sorgfältigen Beurteilung der Gefäß- und Tumoranatomie entschieden werden.
Für andere Arten von Herztumoren können andere interventionelle oder therapeutische Techniken erforderlich sein. Auch hierfür stehen – abhängig vom jeweiligen Befund – wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Jeder Patient benötigt daher eine individuell geplante Therapie.
Spezialisierte interventionelle Kardiologie für Hunde
Wir sind froh und stolz, zu den wenigen spezialisierten Zentren in Europa zu gehören, die einen solchen transatrialen Stenteingriff bei geeigneten tiermedizinischen Patienten anbieten können. Voraussetzung dafür sind eine spezielle technische Ausstattung, moderne Bildgebung sowie ein erfahrenes, interdisziplinäres Team für interventionelle Kardiologie und Anästhesie.
Luckys Behandlung verdeutlicht, welches Potenzial moderne minimal-invasive Verfahren besitzen: Auch wenn der zugrunde liegende Tumor nicht entfernt wird, können seine unmittelbaren Folgen gezielt behandelt werden. So lassen sich Beschwerden lindern, die Lebensqualität verbessern und wertvolle gemeinsame Zeit ermöglichen.
Ob eine solche Behandlung für einen Patienten infrage kommt, hängt immer vom individuellen Befund ab und muss nach einer umfassenden kardiologischen Untersuchung entschieden werden.
Impressionen von Lucky nach der OP

Lucky konnte nach der OP schnell wieder nach Hause

Lucky 12 Std. post-OP

Lucky kann nun ein normales Leben genießen

Röntgenbild nach 2 Wochen zeigt stabile Position des Stents
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Kardiologie für Tierärzte






