Spezialisierte Betreuung von Hunden mit Mitralklappeninsuffizienz

Das Tiermedizinische Mitralklappenzentrum bietet eine spezialisierte diagnostische, klinische, medikamentöse und interventionelle Betreuung von Hunden mit Erkrankungen der Mitralklappe.

Im Mittelpunkt steht die degenerative beziehungsweise myxomatöse Mitralklappenerkrankung (MMVD/DMVD), die auch als Mitralklappenendokardiose bezeichnet wird. Sie ist eine der häufigsten erworbenen Herzerkrankungen des Hundes und kann im fortgeschrittenen Stadium zu einer hochgradigen Mitralklappeninsuffizienz, einer zunehmenden Herzvergrößerung und schließlich zu einer Herzinsuffizienz mit Lungenödem führen.

Unser Ziel ist es, für jeden Patienten eine individuelle Behandlungsstrategie zu entwickeln – von der frühzeitigen kardiologischen Überwachung über eine optimierte medikamentöse Therapie bis hin zu modernen interventionellen Verfahren.

Was ist ein tiermedizinisches Mitralklappenzentrum?

Ein Mitralklappenzentrum bündelt die verschiedenen diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten für Patienten mit Mitralklappenerkrankungen.

Entscheidend ist dabei nicht nur die Diagnose „Mitralklappeninsuffizienz“. Für die Wahl der geeigneten Therapie müssen unter anderem der Schweregrad der Undichtigkeit, die Größe und Funktion des Herzens, die individuelle Anatomie der Mitralklappe, das Stadium der Erkrankung, bereits aufgetretene Herzinsuffizienz sowie mögliche Begleiterkrankungen berücksichtigt werden.

Zu unserem Leistungsspektrum gehören:

  • Umfassende klinische und kardiologische Untersuchung
  • Transthorakale Echokardiographie
  • Detaillierte Beurteilung der Mitralklappenanatomie
  • Transösophageale Echokardiographie (TEE) und 3D-Bildgebung bei entsprechender Indikation
  • Einteilung und Verlaufskontrolle der Mitralklappenerkrankung
  • Individuelle medikamentöse Therapie
  • Beurteilung der Eignung für eine interventionelle Behandlung
  • TEER der Mitralklappe mit dem V-Clamp
  • Linksatriale Dekompression mittels atrialer Septostomie
  • Kardiologische Nachsorge nach interventionellen Eingriffen
  • Beratung zu alternativen herzchirurgischen Verfahren

Eingriffe bei AniCura Alzenau – ein erfahrenes multidisziplinäres Team

Die interventionellen Eingriffe unseres Mitralklappenzentrums werden bei AniCura Alzenau durchgeführt. Für diese anspruchsvollen Eingriffe steht ein sehr erfahrenes, multidisziplinäres Team zur Verfügung, das die Patienten vor, während und nach dem Eingriff umfassend betreut.

Zum Behandlungsteam gehören Spezialisten und erfahrene Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen:

  • Interventionelle Kardiologie
  • Anästhesie
  • Thoraxchirurgie
  • Innere Medizin
  • Intensivmedizin
  • Bildgebung
  • Spezialisierte OP-Pflege
  • Spezialisierte Intensivpflege

Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist insbesondere bei komplexen Herzpatienten von großer Bedeutung. Neben der interventionellen Kardiologie stehen unmittelbar erfahrene Anästhesisten und Intensivmediziner zur Verfügung, um auch Patienten mit fortgeschrittener Herzerkrankung sicher perioperativ zu betreuen.

Zusätzlich ist thoraxchirurgische Expertise vorhanden. Sollte es im seltenen Fall während eines interventionellen Eingriffs erforderlich sein, das Verfahren in einen chirurgischen Eingriff zu konvertieren, kann auf die entsprechende chirurgische Kompetenz zurückgegriffen werden.

Auch nach dem Eingriff werden die Patienten engmaschig durch unser tierärztliches Team sowie speziell geschulte Intensivpflegekräfte überwacht. Die Kombination aus kardiologischer Erfahrung, Anästhesie, Chirurgie und Intensivmedizin ermöglicht uns eine umfassende Betreuung auch besonders komplexer Patienten.

TEER mit V-Clamp – minimalinvasive Reparatur der Mitralklappe

Bei geeigneten Patienten kann eine Transcatheter Edge-to-Edge Repair (TEER) mit dem speziell für Hunde entwickelten V-Clamp durchgeführt werden.

Dabei werden die Segel der undichten Mitralklappe gezielt miteinander verbunden. Dadurch kann sich der Schluss der Mitralklappe verbessern und der Rückfluss von Blut aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof deutlich reduziert werden.

Im Gegensatz zu einer klassischen Operation am offenen Herzen arbeitet das Herz während des Eingriffs weiter und eine Herz-Lungen-Maschine ist nicht erforderlich, sodass der Eingriff als minimalinvasiv zu betrachten ist.

Ob ein Hund für eine TEER geeignet ist, hängt wesentlich von seiner individuellen Mitralklappenanatomie, der Größe des Herzens und weiteren kardiologischen Faktoren ab.

Nicht jeder Hund mit einer hochgradigen Mitralklappeninsuffizienz kann unmittelbar mit einem V-Clamp behandelt werden.

Atriale Septostomie – linksatriale Dekompression bei fortgeschrittener Erkrankung

Für Patienten mit fortgeschrittener Mitralklappenerkrankung steht in unserem Zentrum zusätzlich die atriale Septostomie beziehungsweise linksatriale Dekompression zur Verfügung.

Hierbei wird interventionell eine definierte Verbindung zwischen dem linken und rechten Vorhof geschaffen. Ziel ist es, einen Teil des erhöhten Drucks aus dem linken Vorhof auf die rechte Herzseite zu entlasten und dadurch den Druck in den Lungengefäßen zu reduzieren.

Im Gegensatz zur TEER repariert die Septostomie die erkrankte Mitralklappe nicht. Sie ist eine palliative interventionelle Therapie, die insbesondere bei ausgewählten Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz eine wichtige Behandlungsoption darstellen kann.

Besondere Möglichkeiten bei komplexen Patienten

Eine Besonderheit unseres Mitralklappenzentrums besteht darin, dass wir sowohl die TEER mit V-Clamp als auch die atriale Septostomie durchführen.

Dadurch können wir auch komplexere Patienten differenziert beurteilen und behandeln.

Ist ein Hund aufgrund seiner aktuellen Herzgröße, seiner Mitralklappenanatomie oder seines fortgeschrittenen Krankheitsstadiums zunächst nicht für eine TEER geeignet, kann bei entsprechender Indikation eine atriale Septostomie eine alternative Behandlungsstrategie darstellen.

Bei ausgewählten Patienten kann die linksatriale Dekompression im weiteren Verlauf zu einer Reduktion der kardialen Volumenbelastung und zu einer Verkleinerung des Herzens beitragen. Dadurch können sich in einzelnen Fällen die anatomischen Voraussetzungen verändern. Ein Patient, bei dem eine V-Clamp-Implantation zunächst nicht möglich war, kann deshalb zu einem späteren Zeitpunkt erneut hinsichtlich einer TEER beurteilt werden.

Eine spätere TEER ist jedoch nicht garantiert. Die Entscheidung erfolgt immer individuell nach erneuter ausführlicher kardiologischer und echokardiographischer Untersuchung.

Offene Mitralklappenchirurgie als weitere Behandlungsoption

Eine weitere Möglichkeit zur Behandlung der degenerativen Mitralklappenerkrankung ist die chirurgische Rekonstruktion der Mitralklappe am offenen Herzen unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine.

Diese Form der Herzchirurgie wird in unserem Zentrum derzeit nicht durchgeführt.

Sie steht jedoch an wenigen hochspezialisierten internationalen Zentren zur Verfügung, unter anderem im Großraum Paris, in London oder in Tokyo. Bei Patienten, für die eine offene Mitralklappenrekonstruktion eine sinnvolle Alternative darstellen könnte, beraten wir die Besitzer gerne über die verschiedenen Möglichkeiten und unterstützen bei der kardiologischen Vorbereitung und Befundzusammenstellung.

Individuelle Therapie statt Standardlösung

Die Mitralklappenerkrankung verläuft bei jedem Hund unterschiedlich. Deshalb gibt es nicht die eine Therapie, die für alle Patienten geeignet ist.

Unser Ansatz ist es, Diagnostik, medikamentöse Behandlung und interventionelle Möglichkeiten miteinander zu verbinden und regelmäßig neu zu beurteilen.

Dabei stehen die Lebensqualität des Patienten, die Kontrolle der Herzinsuffizienz und – wenn möglich – die Reduktion der zugrunde liegenden Mitralklappeninsuffizienz im Mittelpunkt.

Sie möchten wissen, welche Therapieoption für Ihren Hund infrage kommt?

Gerne beurteilen wir bestehende Befunde oder untersuchen Ihren Hund im Rahmen einer ausführlichen kardiologischen Vorstellung.